Windrad spiegelt sich in der Seitenscheibe des Zugs

Energiewende auf der        Gerstetter Alb

Windenergieanlagen, Biogasanlagen und Photovoltaikanlagen sorgen in Gerstetten Jahr für Jahr für mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Die Stromzusammensetzung hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert. Wurde im Jahr 2013 noch 45 Prozent Strom von Energiequellen außerhalb der Gemeinde bezogen, sind es 2023 nur noch 5 Prozent. Das von Bürgermeister Polaschek und dem Gemeinderat erklärte Ziel, energieautark zu werden und einen respektablen Anteil an der Energiewende zu leisten, ist auf einem guten Weg. „Windkraft, Solarenergie und Biomasse sind die führenden Energiequellen in Gerstetten“, so Bürgermeister Polaschek.

Bereits im Jahr 2011 wurden im Gussenstadter Gewann Hochsträß die ersten Windkraftanlagen errichtet. Die vier Anlagen der Fellbacher Stadtwerke werden nach über 20 Jahren ,,repowert“, d.h. von zwei neuen, weitaus leistungsstärkeren Anlagen mit dem vierfachen Ertrag ersetzt. Im Sommer 2024 gehen diese beiden neuen Anlagen in Betrieb.

Aktuell werden private Flächen und Flächen im Eigentum des Landes Baden-Württemberg im Waldgebiet Teichhau in Dettingen, das bereits im Jahr 2014 als Vorranggebiet für Windenergie im Regionalplan ausgewiesen wurde, mit Windkraftanlagen vom Unternehmen Badenova Wärmeplus GmbH & Co. KG aus Freiburg beplant.

Im Zuge der Teilfortschreibung des Regionalplans der Region Ostwürttemberg wurde die Gemeinde Gerstetten im Frühjahr 2024 zur Stellungnahme zu Vorranggebieten für Windkraftanlagen aufgefordert. Ein vom Regionalverband vorgeschlagenes Vorranggebiet im Gussenstadter Waldgebiet „Mittloh“ wurde vom Gemeinderat und vom Ortschaftsrat unter Verweis auf die drohende Überlastung des Ortsteils Gussenstadt durch „Umzingelung“ mit Windkraft abgelehnt. Allerdings befürwortete der Gemeinderat die weiteren vom Regionalverband vorgeschlagenen Gebiete im Gussenstadter Nordwesten (Richtung Böhmenkirch und Söhnstetten), im Gerstetter Gewann Steinhaus (Nordöstlich von Heutenburg, Nordwestlich von Erpfenhausen) und im Gerstetter Nordosten, an der Gemarkungsgrenze zu Herbrechtingen im Gewann Schönbühl und Sachsenhart. Umstitten war die Reduzierung des Siedlungsabstands der Windkraftanlagen für das mögliche Vorranggebiet im Gewann „Steinhaus“. Mit knapper Mehrheit wurde die Reduzierung des Siedlungsabstands auf 750 Meter nach intensiver  Diskussion beschlossen. Als Eigentümerin eines Großteils der Waldflächen im Gewann Steinhaus bleibt die Gemeinde Gerstetten Entscheiderin für die Antworten auf die Fragen „Ob und Wie“ einer windenergetischen Nutzung im Gewann Steinhaus und kann hier auch unmittelbar finanziell von der windenergetischen Nutzung profitieren und Wertschöpfung in der Gemeinde halten.

Die Gemeinde Gerstetten steht seit längerem mit verschiedenen potentiellen Projektierern in Kontakt, welche die Windhöffigkeit der Gemarkung Gerstetten untersuchen und beplanen.

Private Investitionen in eine Kabeltrasse und ein Umspannwerk auf dem Leherberg, die den Ertrag von Windenergieanlagen in Gussenstadt und einer Photovoltaik-Anlage in Söhnstetten ins Netz bringen, bieten auch zukünftigen Anlagen gute Chancen und sind wichtige Beiträge für ein,,energieautarkes Gerstetten‘‘.

Die Energiegenossenschaft Gussenstadt eG ist seit der Gründung 2012 ein zuverlässiger Wärmelieferant: ,,Wärme made in Gussenstadt‘‘ für die  Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils Gussenstadt. Nennenswerte Ausfälle, so Bürgermeister Polaschek, gab es seit der Inbetriebnahme des Netzes im Jahr 2014 keine. Als eine Blaupause für die anderen Ortschaften bezeichnete Polaschek die Energiegenossenschaft, die seit 2022 intensiv am zweiten Nahwärmenetz , die Verbindung des alten Netzes mit einem neuen Netz, plant und arbeitet. Derzeit werden bereits 140 Haushalte mit Nahwärme versorgt, ca. 200 Haushalte sollen mit dazukommen. Der Baubeginn soll im Herbst 2024 erfolgen, nachdem alle Genehmigungen vorliegen.

Auch bei den Investitionen der privaten Haushalte in Erneuerbare Energien ist Gerstetten sehr gut: Mit bestehenden PV-Dachanlagen werden pro Einwohner mindestens 1243 kWh Strom erzeugt – auch damit hat die Gemeinde Gerstetten im Landkreis Heidenheim (gemeinsam mit der Gemeinde Hermaringen) die Nase vorn. Trotz dieser Spitzenposition ist das private Interesse an der Photovoltaik ungebrochen groß. Zu einer Informationsveranstaltung der Gemeinde und des Photovoltaiknetzwerks Ostwürttemberg am 19.01.2024 zum Thema „Photovoltaik auf privaten Dachflächen und an Balkonen“ kamen 200 Personen in der Turn- und Festhalle zusammen.