Stapel von Tageszeitungen

Informationsabend zu Photovoltaik-Dachanlagen und ihren Potenzialen


Vergangenen Freitagabend fand in der Turn- und Festhalle der Informationsabend zum Thema Photovoltaik-Dachanlagen statt. Über 150 Gerstetter Bürger und Bürgerinnen konnten sich über den grundlegenden Aufbau einer PV-Anlage, den Anmeldeprozess bei der Netze ODR, den Einsatzmöglichkeiten sowie gesetzlichen Regelungen informieren und den Austausch mit den anwesenden Referenten der Netze ODR, des Photovoltaik Netzwerks Ostwürttemberg sowie des ortsansässigen Dettinger Unternehmens Elektro Spiegler suchen.

Bürgermeister Polaschek freute sich, dass der Informationsabend auf ein reges Interesse in der Gesamtgemeinde gestoßen ist. Dies zeige auch, welchen Stellenwert das Thema „Erneuerbare Energien“ in der Gemeinde Gerstetten habe. Er zeigte in seiner Begrüßung die Zielvorstellung der Bundesregierung mit dem Gesetzespaket ,,Solarpaket I‘‘ auf. Bau und Betrieb von PV-Anlagen sollen entbürokratisiert und der Zubau beschleunigt werden. Bis 2045 solle Deutschland klimaneutral wirtschaften. Die Gemeinde Gerstetten, so bestätigte auch Michael Gerdung, Referent des Photovoltaik Netzwerks Ostwürttemberg, sei mit PV-Anlagennutzung bereits gut aufgestellt. Bürgermeister Polaschek erläuterte dies mit dem jährlich erscheinenden Bericht ,,Stand der Energiewende‘‘ im Mitteilungsblatt ,,Albbote‘‘. Die stromerzeugenden Energieträger der Gerstetter Alb sind hauptsächlich Solar, Biomasse und Windkraft. Spitzenreiter mit ca. 20 Millionen kWh erzeugtem Strom seien nach wie vor die PV-Anlagen, so Bürgermeister Polaschek, gefolgt von Biomasse und Windkraft.

In Gussenstadt sind vier Windkraftanlagen der Fellbacher Stadtwerke positioniert, die aktuell repowert werden und durch nur noch zwei leistungsstarke Windkraftanlagen ersetzt werden. Die vier kleineren Windkraftanlagen hatten einen Windenergieertrag von 3 Mio. kWh jährlich, die zwei neuen Windkraftanlagen kommen auf einen jährlichen Ertrag von ca. 20 Mio. kWh. Die Gemeindeverwaltung ist im Austausch mit weiteren Windkraft-Projektierern.

Insgesamt stehen auf der Gemarkung Gerstetten derzeit 13 Windkraftanlagen, aufgrund des Repowerings werden es ab Sommer 2024 11 Windkraftanlagen sein. Besonders der Teilort Gussenstadt arbeite seit mehr als 10 Jahren daran, die Gussenstadter Haushalte autark mit Nahwärme zu versorgen. Aktuell liege der Fokus auf dem zweiten Nahwärmenetz, das den restlichen Ortsteil Gussenstadt versorgen solle. Vertrauen in die konstante und zuverlässige Leistungsstärke der Energiegenossenschaft seien die Basis für den Bau des zweiten Netzes, so Bürgermeister Polaschek. 140 Haushalte in Gussenstadt werden derzeit mit Nahwärme versorgt, darunter alle öffentlichen Gebäude. 200 weitere Haushalte sollen dem zweiten Nahwärmenetz angehören, derzeit liegen bereits 147 unterschriebene Verträge vor. Baubeginn sei, sobald das Landratsamt grünes Licht erteile.

PV-Anlagen bieten den Bürgerinnen und Bürgern vielfältige Möglichkeiten, erklärte Michael Gerdung vom Photovoltaik Netzwerk. Hauseigentümer können zwischen Volleinspeisung, der Strom wird nicht selbst verwendet, dafür höher vergütet, oder Überschusseinspeisung, Strom wird selbst verbraucht, der nicht verwendete Strom wird an den Netzbetreiber gespeist, wählen.

Reinhold Bach von der Netze ODR erklärte den Boom der PV-Anlagen: gestiegenes Umweltbewusstsein, Anstieg der Stromkosten, Geldeinsparung und PV-Pflicht bei Neubauten.

Im Jahr 2022 wurden ca. 6.000 PV Anlagen angemeldet, ca. 3.000 Fertigmeldungen liegen vor. Im Jahr 2023 wurden ca. 10.000 PV Anlagen angemeldet, ca. 7.000 Fertigmeldungen liegen vor, zusätzlich ca. 4.000 Fertigmeldungen für Batteriespeicher.

Reinhold Bach von Netze ODR und Gerhard Spiegler von Elektro Spiegler erklärten ,,Schritt für Schritt‘‘ den Ablauf des Erwerbs einer Photovoltaik-Anlage.

Aktuell müsse man bei der Firma Elektro Spiegler mit bis zu 1,5 Jahren rechnen, bis die Anlage ans Netz gehe. Bei Bestellung heute werde die Anlage Anfang nächsten Jahres installiert und ein halbes Jahr später, nach erfolgter Anmeldung beim Netzbetreiber und digitaler Fertigmeldung durch den Elektroinstallateur, ans Netz gehen, d.h. Strom erzeugen und einspeisen. Eine der größten Herausforderungen für Anlagenbauer, so Gerhard Spiegler, ist der Zustand des Zählerschranks in den Häusern, der oftmals nicht mehr den aktuellen Vorschriften entspreche. Man benötige für PV-Anlagen einen Zweirichtungszähler (Bezug und Einspeisung wird angezeigt), keinen Einrichtungszähler, der lediglich den Bezug angezeigt.

Michael Gerdung vom Photovoltaik Netzwerk Ostwürttemberg erklärte, dass für eine 10kWp-Anlage eine Dachfläche von 50 bis 60 qm benötigt werde. Ein Ertragsoptimum erhalte man bei einer Südausrichtung bei 30-40 % Dachneigung. Der Ertrag der PV-Anlage ist auch abhängig von der Ausrichtung der PV-Module und der Dachform des Gebäudes. Die Kosten für eine Anlage dieser Größe liegen bei ca. 15.000 bis 20.000 Euro (ohne Batteriespeicher).

Der Energieatlas Baden-Württemberg kann zur praktischen Planung der eigenen PV Anlage genutzt werden. Hier kann die Straße eingegeben werden und das System zeigt die Dacheignung an, welche auf Laserscannerdaten aus den Jahren 2000-2005 basiert.

https://www.energieatlas-bw.de/sonne/dachflachen/solar-potenzial-auf-dachflachen

Die Präsentationen der Referenten sind auf der Homepage der Gemeinde zu finden.

https://www.gerstetten.de/de/Wirtschaft-Bauen/Energiewende.

bzw. einzeln:

Vortrag Photovoltaik Netzwerk Ostwürttemberg 19.01.2024

Vortrag Netze ODR 19.01.2024