Der Falkenstein bei Dettingen
und seine bewegte Geschichte
Viele Wanderer kommen auf den Falkenstein, und sehen vielleicht ihre
Erwartungen nicht ganz erfüllt. Sie sind dem Zeichen „Burg“ in ihrem Wanderführer oder auf ihrer Karte gefolgt und erwarten nun stattliche Ruinenreste wie auf dem Rechberg, dem Rosen- oder dem Reußenstein. Was sie hier auf Falkenstein vorfinden, sind ein paar alte, allerdings historisch renovierte Häuser der ehemaligen Domäne des Landes Baden-Württemberg und eine schöne Aussicht hinunter ins Eselsburger Tal, wo sich die Brenz anmutig schlängelt. Es gehört schon etwas Phantasie dazu, sich hier eine Burganlage vorzustellen. Tatsächlich war eine solche im Mittelalter vorhanden, und der Falkenstein blickt auf eine lange Geschichte zurück.
Schon zur Zeit der Römer stand draußen auf dem Felsen ein Wachturm. Er wurde gebaut, um den Zugang zum römischen Kastell in Heidenheim zu sichern. In den folgenden Jahrhunderten verhüllt das Dunkel der Geschichte das Schicksal der Festung. Vielleicht ist das der Grund, daß einige der Sagen, die um den Falkenstein kreisen, gerade in dieser Zeit angesiedelt sind.
Geschichtlich verbrieft ist die Zeit um das Jahr 1160. Die Geschichte der Burg Falkenstein ist eng mit der Geschichte der Stadt Giengen verbunden.
Die Burg war kaum einnehmbar. Zur Talseite der steile Fels, und die Verbindung zur Albhochfläche bildete nur eine Zugbrücke. Wenige Zeugnisse blieben von der alten Burg, ein Brunnen am Fuße des Felsens, ein Stützpfeiler und wenige Mauerreste. Für die neuen Gebäude nutzten die Bauherren geschickt die Gegebenheiten der Landschaft: die gewachsenen Felsen bildeten das Fundament der Bauten, Baumaterial waren rohe Steine, nahe der Burg gebrochen und zu Mauern geschichtet, verfugt mit Lehm aus der nahen Lehmgrube. Ziegel für die Gewölbe und die Dachpfannen wurden in der eigenen Ziegelhütte gebrannt. Das Bauholz kam aus den eigenen Wäldern.
Zur Burganlage gehörte auch ein „Lustgarten“, angelegt im französischen Stil, aus dem viele der seltenen Pflanzen, die im Eselsburger Tal zu finden sind, stammen sollen. Der Zugang zur Burg entsprach dem heutigen Wanderweg Richtung Bindstein und ging vom Waldeck geradewegs Richtung Dettingen, das damals zur Hälfte zur Herrschaft Falkenstein gehörte.
Seit 1918 gehörte Falkenstein dem Land Württemberg und war bis zur Übernahme im Jahr 1985 durch die Familie Kümmerle, den ehemaligen Pächtern (seit 1931), eine der Domänen des Landes mit einer Betriebsgröße von 84 Hektar. Betriebsschwerpunkte des Hofgutes sind heute Schweinemast und Saatgutvermehrung.

